Wie Corona den Arbeitsmarkt prägt

Kurzarbeit wird weniger

Nirgendwo sonst hatte Corona einen so starken Einfluss wie auf die Kurzarbeit, bzw. auf die Arbeitslosigkeit Deutschlands. Gerade zum Anfang des Lockdowns waren die Anmeldungen besonders hoch. Allerdings fallen die Zahlen wieder. 

Die in Anträgen erwähnten Erwerbstätigen sanken von März 2020 mit 2,6 Millionen Kurzarbeiter auf nur noch 745.000 Anfang Januar 2021. 

Arbeitslosigkeit nimmt zu

Die Zahl der Unterbeschäftigten, die nicht in Kurzarbeit gehen durften oder wollten, stieg zwischen diesen Monaten um 12,2 Prozent.

Damit parallel die Arbeitslosigkeit, die zwischen März und Januar von 2,3 Millionen auf knapp 3 Millionen gestiegen ist. Ein Anstieg von 24 Prozent.

Zugang von Arbeitslosen aus der abhängigen Beschäftigung nimmt ab

Interessant sind aber die Zahlen, die den Zugang von Arbeitslosen aus der abhängigen Beschäftigung beschreiben. Damit sind Tätigkeiten gemeint, die z.B. in direkter Abhängigkeit zum Vorgesetzten, Chef oder zu Institutionen stehen. Man würde denken, dass diese Zahl proportional zur wachsenden Arbeitslosigkeit steigen müsste. Dem ist aber nicht immer so. Folgende Zahlen beschreiben den Unterschied zwischen verschiedenen Branchen sehr eindeutig:

Zahlen von Januar 2020 und 2021.

  • Alle Branchen: -6,3%
  • Gastronomie: -25,3%
  • Kunst u. Unterhaltung: -20%
  • Erziehung und Unterricht: +20%

Diese und die oben genannten Zahlen stammen aus dem Corona Datenset der Agentur für Arbeit.

Daraus wird ersichtlich, dass die Kurzarbeit für viele in der Pandemie benachteiligten Berufe, wie insb. Gastronomie, ein Fangnetz darstellt. Beim öffentlichen Lockdown ist es vollkommen klar, dass die Gastronomie wie kein anderer direkt unter den Maßnahmen leidet. Dasselbe gilt auch für KünstlerInnen, die beruflich entweder sofort umschwenken, oder auf staatliche Hilfe angewiesen sind. In der privaten Erziehung und im Unterrichtswesen stieg die berufsbedingte Arbeitslosigkeit um 20 Prozent. Das liegt möglicherweise daran, dass das Bildungswesen besonders gefördert wird und in der Pandemie eine besonders wichtige Funktion einnimmt. 

Viele Betriebe versuchen die Mitarbeiter durch Kurzarbeit zu halten, als sie zu entlassen, wie die Süddeutsche berichtet. Das lag Anfang März zu Beginn des ersten Lockdowns sicherlich daran, eine begrenzte Vorstellung von der Krise zu haben. Es war nicht klar, wie lange das noch weitergehen sollte. Wie wir wissen, hat dieser Lockdown nicht ausgereicht. So wird die Hoffnung nach Impfstoff immer größer, damit die Kurzarbeit mit ihrer Spannung schrittweise aufgelöst werden kann.

Weniger Arbeitsplätze – Trend verstärkt sich

Anfang dieses Jahres hat Statista eine Infografik zum Arbeitsplatzmangel veröffentlicht. Hier wird beschrieben, wie durch Corona nicht nur die Arbeitslosigkeit gestiegen, sondern auch das allgemeine Jobangebot gesunken ist. 

2020 gab es 613.000 offene Arbeitsstellen mit einem Rückgang von 9% zum Vorjahr. 

Ebenso gab es nur 1,6 Millionen Neubesetzungen, welches ca. 500.000 weniger sind als letztes Jahr.

Insgesamt gab es 25% weniger Arbeitsanmeldungen und 9% weniger Arbeitsstellen. Hier überwiegt die wesentlich geringere Nachfrage nach Arbeit. Die unsichere Marktlage in der Pandemie sorgte und sorgt immer noch dafür, dass weniger Menschen den Arbeitsplatz wechseln möchten. 

Wie die Arbeit nach Corona weitergehen wird

Folgende Prognosen beziehen sich auf den Gastbeitrag von W&V und bieten Denkansätze, wie der Arbeitsmarkt sich Corona-bedingt weiterentwickeln kann. 

  1. Es wird zu neuen Gründungen kommen mit vermehrt lokalem und regionalem Engagement.
  2. Der Sinn der Arbeit kehrt wieder. Wir haben gemerkt und gelernt, dass insbesondere Pflegerollen einen höheren, gesellschaftlichen Status verdienen. Dasselbe gilt für Ärzte, Feuerwehr und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Der Respekt vor dem, was wirklich wichtig ist, wird womöglich ansteigen.
  3. Corona als globaler Türöffner der Digitalisierung. Die Zwangsdigitalisierung durch Home-Office hat für viel Turbulenz im Wirtschaftswesen gesorgt. Auch wenn viele Mittelständler noch mitten im Prozess sind, wird es dazu kommen, dass kein Unternehmen auf interner, externer und vertrieblicher Digitalisierung mehr verzichten kann. Für Meetings kann man sich einfach für eine halbe Stunde auf Zoom verabreden.

Die Anwesenheitskultur in Bildung und Wirtschaft wird verschwinden. Die individuelle Informationsbeschaffung wird zunehmen.